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Drei Kongresse, viele Versprechen – aber wo sind die Ergebnisse?

Drei Kongresse, viele Versprechen – aber wo sind die Ergebnisse?

Investigative Symbolgrafik zum Jugendamt-Betroffenen-Kongress: eine Kongressbühne mit beworbenen Expertenvorträgen und Projekten, daneben eine VA:TER-Presseanfrage mit dem Hinweis „Keine Antwort“, Ticketpreise sowie Aktenordner mit offenen Fragen zu Teilnehmerzahlen, Experten, Arbeitsgruppen, Projek
Drei Kongresse, viele Versprechen – aber wo sind die Ergebnisse? VA:TER fragte nach Teilnehmerzahlen, Experten, Arbeitsgruppen, Projekten und konkreten Resultaten. Die gesetzte Antwortfrist verstrich, eine Stellungnahme blieb aus.
Wer Menschen in hochbelasteten familienrechtlichen Situationen zusammenbringt, kann etwas Wertvolles schaffen. Austausch kann entlasten. Vernetzung kann Mut geben. Das Gespräch mit anderen Betroffenen kann Menschen aus dem Gefühl holen, mit ihren Erfahrungen völlig allein zu sein. Daran gibt es nichts kleinzureden. Aber wenn aus einem Treffen ein kostenpflichtiger Kongress wird, der mit „Expertenvorträgen“, „fundiertem Wissen“, Arbeitsgruppen, gemeinsamen Projekten und konkreten Lösungen wirbt, entsteht eine zweite Ebene: **Dann darf man nach den Ergebnissen fragen.** Und genau das hat VA:TER getan. ## Nicht: Was soll irgendwann entstehen? Sondern: Was ist entstanden? Am 15. September 2026 richtete die Redaktion von VA:TER eine umfangreiche Presseanfrage an Frank Bernd Stegmaier als öffentlich benannten Verantwortlichen des Jugendamt-Betroffenen-Kongresses. Anlass war, dass nach bereits vorausgegangenen Veranstaltungen schon der nächste Kongress für den 26./27. September beworben wurde. Die Fragen waren weder geheimnisvoll noch kompliziert. Wir wollten wissen: - Wie viele Menschen nahmen tatsächlich teil? - Welche konkreten Ergebnisse brachten die bisherigen Kongresse hervor? - Welche Arbeitsgruppen wurden wirklich gegründet? - Welche davon arbeiten weiter? - Wer koordiniert sie? - Welche Arbeitsergebnisse existieren? - Welche angekündigten Projekte wurden umgesetzt? - Gibt es Protokolle, Positionspapiere, Forderungskataloge oder andere öffentlich nachvollziehbare Dokumentationen? Denn genau mit solchen Strukturen wirbt die Veranstaltungsseite weiterhin. Dort werden unter anderem „Expertenvorträge“, „fundiertes Wissen zu relevanten Themen“, Arbeitsgruppen, Vernetzung und gemeinsame Projekte angekündigt. Die Arbeitsgruppen sollen etwa Jugendamtskontrolle, Beweis- und Zeugengewinnung, ein Nachrichtenportal, Vereinsgründung, psychologische Unterstützung und bundesweite Betroffenenvernetzung behandeln. Das ist ein erheblicher Anspruch. Und deshalb haben wir ihn beim Wort genommen. ## Wer sind eigentlich die „Experten“? Auch hierzu haben wir konkret gefragt. Wer waren die Experten der ersten Veranstaltungen? Welche beruflichen oder fachlichen Qualifikationen besitzen sie? Wer verantwortete Inhalte zu Familienrecht, Schadensersatz und DSGVO? Waren Rechtsanwälte, Fachanwälte, Psychologen oder andere einschlägig qualifizierte Fachkräfte beteiligt? Und weshalb wird mit „Expertenvorträgen“ geworben, während im öffentlich dargestellten Programm Referenten und Qualifikationen nicht entsprechend ausgewiesen werden? Auch heute nennt die Kongressseite in ihrer allgemeinen Darstellung „Expertenvorträge“ und „fundiertes Wissen“, während das sichtbare Programm überwiegend Themenblöcke statt fachlich ausgewiesener Referenten aufführt. Das bedeutet nicht, dass niemand mit Fachkenntnis beteiligt gewesen sein kann. Es bedeutet: **Der öffentlich überprüfbare Nachweis bleibt offen.** Genau dafür war unsere Anfrage da. ## 49 Euro. 89 Euro. Wofür genau? Für die Veranstaltung vom 26./27. September wurden 49 Euro für einen Tag beziehungsweise 89 Euro für beide Tage verlangt. Das veröffentlichte Programm enthielt unter anderem: - Betroffenenberichte, - Fragestunden, - Networking, - Brainstorming, - Öffentlichkeitsarbeit, - Hinweise zu Jugendamt-Demonstrationen, - eine Spendenaktion, - einen Programmpunkt „Anwälte und Empfehlungen“, - „Familienrecht und KI“, - Falldokumentation, - Ortsgruppenbildung, - sowie einen längeren Beitrag zu Schadensersatz und DSGVO. Noch einmal: Austausch ist nicht wertlos. Networking ist nicht wertlos. Das Kennenlernen anderer Menschen mit ähnlichen Erfahrungen kann persönlich sogar außerordentlich wertvoll sein. Aber das ist etwas anderes als die Frage, ob damit der weitergehende Anspruch von Expertenwissen, Lösungsentwicklung, Arbeitsgruppen und gemeinsamen Projekten eingelöst wird. Und genau an diesem Punkt wird der Preis relevant. Wer hauptsächlich andere Betroffene kennenlernen, Erfahrungen austauschen oder Kontakte knüpfen möchte, findet dafür zahlreiche niedrigschwellige und häufig kostenlose Möglichkeiten: Selbsthilfeinitiativen. Onlinegruppen. Foren. Soziale Netzwerke. Lokale Elternnetzwerke. **Für Austausch allein braucht es keinen Kongress für 49 oder 89 Euro.** Wer für ein kostenpflichtiges Format darüber hinaus „fundiertes Wissen“ und Projektarbeit verspricht, darf deshalb gefragt werden: > **Was ist der zusätzliche, überprüfbare Gegenwert?** ## „Anwälte und Empfehlungen“ – auch hier wäre Transparenz hilfreich Besondere Aufmerksamkeit verdient ein eigener Programmpunkt: > „Anwälte und Empfehlungen“ Gleichzeitig weist die Veranstaltungsseite darauf hin, dass keine Rechtsberatung und keine anwaltliche Vertretung erfolgt. Daraus folgt zunächst kein Vorwurf. Es entstehen aber völlig legitime Fragen: Nach welchen Kriterien werden Anwälte empfohlen? Wer spricht Empfehlungen aus? Sind Anwälte als Referenten oder Teilnehmer beteiligt? Bestehen organisatorische oder wirtschaftliche Verbindungen? Werden aus solchen Veranstaltungen Mandate vermittelt? Wir behaupten hierzu nichts. **Wir wissen es nicht.** Gerade deshalb wäre Transparenz sinnvoll. Auch dafür bot die Presseanfrage Gelegenheit. ## Die Arbeitsgruppen beginnen offenbar immer wieder von vorn Besonders bemerkenswert ist die Wortwahl der aktuellen Veranstaltungsseite. Dort heißt es weiterhin, im Rahmen des Kongresses würden thematische Gruppen „entstehen“, in denen Projekte und Forderungen weiterentwickelt werden sollen. Genau deshalb hatten wir gefragt: Welche Gruppen wurden bereits beim ersten Kongress gegründet? Welche bestehen noch? Was haben sie zwischen den Kongressen erreicht? Und warum werden dieselben Themen bei späteren Veranstaltungen erneut als zu bildende Arbeitsgruppen dargestellt? Eine Arbeitsgruppe ist schließlich kein Ergebnis, nur weil sie auf einer Website steht. Ein Projekt ist kein Projekt, weil jemand seine Gründung ankündigt. Und Vernetzung wird nicht dadurch nachhaltig, dass sie bei jedem neuen Kongress erneut als Ziel formuliert wird. **Irgendwann muss aus dem Verb „wollen“ ein Verb wie „haben“ werden.** ## Das Nachrichtenportal: gegründet – und trotzdem weiter zu gründen? Eine der angekündigten Arbeitsgruppen betrifft die Gründung einer Zeitung beziehungsweise eines Nachrichtenportals. Parallel existiert inzwischen **Stegmaier Media**. Das Portal bezeichnet sich als unabhängiges, nichtkommerzielles Nachrichten- und Rechercheprojekt und formuliert hohe journalistische Standards: dokumentenbasierte Recherche, Trennung von Nachricht und Meinung, Stellungnahmen, Transparenz. Gleichzeitig steht dort aktuell weiterhin: > „Redaktion im Aufbau · Erste Recherchen in Vorbereitung“ Deshalb haben wir gefragt, ob Stegmaier Media ein Ergebnis der Kongressarbeit ist, welche Kongressteilnehmer daran redaktionell mitarbeiten und welche konkreten Arbeiten aus dieser Arbeitsgruppe hervorgegangen sind. Hinzu kommt eine kleine, aber bemerkenswerte Unstimmigkeit: Die offizielle Kongressseite bezeichnet den Termin vom 26./27. September als **3. Jugendamt-Betroffenen-Kongress**. Stegmaier Media bezeichnet denselben Termin derzeit als **„2. Jugendamt-Betroffene-Kongress 2026“**. Auch danach haben wir gefragt. ## Und heute? Die Website wirbt noch immer für den vergangenen Termin Der aktuelle Stand am 28. September 2026 ist fast sinnbildlich. Die Kongressseite bezeichnet weiterhin den 26./27. September 2026 als Veranstaltungstermin, zeigt weiterhin die Ticketpreise und enthält weiterhin Anmeldeaufforderungen. Unsere aktuelle Recherche fand dort zugleich keine entsprechend prominente neue Ergebnisbilanz des September-Termins. Das beweist nicht, dass im Raum nichts passiert ist. Vielleicht wurden Telefonnummern ausgetauscht. Vielleicht entstanden persönliche Kontakte. Vielleicht haben einzelne Teilnehmer wertvolle Informationen erhalten. Vielleicht wurden neue Ideen entwickelt. Aber genau darum geht es nicht. Es geht um den Unterschied zwischen: **persönlichem Nutzen einzelner Teilnehmer** und **öffentlich beworbenem strukturellem Arbeitsergebnis.** Das eine kann existieren, ohne dass das andere nachgewiesen ist. ## Wir haben Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben VA:TER hat nicht einfach einen kritischen Artikel veröffentlicht und anschließend gefragt. Wir haben es umgekehrt gemacht. Die Presseanfrage räumte ausdrücklich Gelegenheit ein, die bislang öffentlich nicht nachvollziehbaren Punkte zu erklären und vorhandene Dokumentationen einfach zu verlinken. Die Antwortfrist war der **22. September 2026**. Sie ist verstrichen. Eine Antwort liegt VA:TER nicht vor. Das ist besonders bemerkenswert bei einem Projekt, dessen eigenes Medienangebot inzwischen ausdrücklich erklärt, Vertrauen entstehe durch nachvollziehbare journalistische Arbeit und Gegenpositionen beziehungsweise Stellungnahmen sollten eingeholt werden. Stegmaier Media formuliert selbst Grundsätze wie Quellenorientierung, Stellungnahmen und transparente Korrekturen. Wir begrüßen diese Grundsätze. **Wir wenden sie nur auch auf diejenigen an, die sie selbst formulieren.** ## Die einfachste Frage blieb unbeantwortet Von unseren 34 Fragen ist eine besonders entscheidend: > **Welche fünf konkreten, überprüfbaren Ergebnisse können Sie benennen, die ohne die bisherigen Jugendamt-Betroffenen-Kongresse heute nicht existieren würden?** Genau diese Frage wurde dem Veranstalter gestellt. Bis heute haben wir darauf keine Antwort erhalten. Und damit bleibt nach mehreren kostenpflichtigen Veranstaltungen eine erstaunlich einfache Frage im Raum: ## Was bleibt? Wenn die Antwort lautet: Menschen haben einander kennengelernt. Sie konnten ihre Geschichten erzählen. Sie haben Kontakte ausgetauscht. Sie fühlten sich verstanden. Dann ist das legitim. Vielleicht sogar hilfreich. Aber dann sollte man das auch genau so benennen: **eine kostenpflichtige Begegnungs- und Vernetzungsveranstaltung für Betroffene.** Das wäre eine nachvollziehbare Beschreibung. Wer darüber hinaus mit Expertenvorträgen, fundiertem Wissen, konkreten Lösungen, Arbeitsgruppen und gemeinsamen Projekten wirbt, muss sich jedoch daran messen lassen, ob diese Ergebnisse irgendwann sichtbar werden. Bislang konnten wir diese Bilanz öffentlich nicht nachvollziehen. Und selbst auf konkrete Nachfrage wurde sie uns nicht vorgelegt. ## Betroffenheit darf nicht zum Kreislauf werden Es gibt im Bereich Familienrecht bereits mehr als genug Menschen, die von Stelle zu Stelle laufen. Sie erzählen immer wieder ihre Geschichte. Sie erklären immer wieder ihr Leid. Sie beginnen immer wieder von vorne. Eine ernsthafte Betroffenenarbeit sollte diesen Kreislauf nicht reproduzieren. Sie sollte Erfahrung verwandeln: in Dokumentation. In Wissen. In Werkzeuge. In Strukturen. In überprüfbare Ergebnisse. Sonst entsteht die Gefahr, dass Betroffenheit zwar organisiert wird – aber nichts daraus folgt. Und dafür braucht es irgendwann mehr als einen weiteren Kongress. ## Unser Fazit VA:TER behauptet nicht, dass die Jugendamt-Betroffenen-Kongresse für jeden Teilnehmer wertlos seien. Das könnten wir nicht wissen – und es wäre unseriös. Wir stellen etwas anderes fest: > **Der über persönlichen Austausch und Vernetzung hinausgehende, öffentlich überprüfbare Mehrwert der bisherigen Veranstaltungen ist für uns weiterhin nicht nachvollziehbar dokumentiert.** Der Veranstalter wurde dazu ausführlich befragt. Er hätte Teilnehmerzahlen nennen können. Er hätte Experten benennen können. Er hätte Qualifikationen mitteilen können. Er hätte Arbeitsgruppen auflisten können. Er hätte Arbeitsergebnisse verlinken können. Er hätte fünf konkrete Resultate nennen können. **Er hat auf unsere Anfrage nicht geantwortet.** Deshalb bleibt unsere Frage bestehen: # Wo sind die Ergebnisse? Sollte Herr Stegmaier die angefragten Informationen noch übermitteln, wird VA:TER sie selbstverständlich prüfen, dokumentieren und in die Berichterstattung einbeziehen. Denn Accountability endet nicht dort, wo jemand selbst beginnt, Accountability von anderen einzufordern. **Sie beginnt dort erst.** **Nicht in Wut. In Wahrheit liegt unsere Kraft.** ## REDAKTIONELLER HINWEIS Die Darstellung beruht auf der öffentlich abrufbaren Website des Jugendamt-Betroffenen-Kongresses, dem öffentlichen Angebot von Stegmaier Media sowie der dokumentierten Presseanfrage von VA:TER vom 15. September 2026. Stand der Online-Recherche: **28. September 2026**. Die Tatsache, dass VA:TER bis zum Redaktionsschluss keine Antwort auf die Presseanfrage erhalten hat, belegt nicht, dass innerhalb oder infolge der Veranstaltungen keinerlei Ergebnisse entstanden sind. Gegenstand der Dokumentation ist vielmehr die Frage, welche über persönlichen Austausch und Vernetzung hinausgehenden Ergebnisse öffentlich nachvollziehbar dokumentiert beziehungsweise auf konkrete Nachfrage benannt wurden. Sollte eine Stellungnahme oder weiterführende Dokumentation nach Veröffentlichung eingehen, wird VA:TER diese prüfen und den Beitrag erforderlichenfalls transparent ergänzen oder aktualisieren.

Quellen und weiterführende Hinweise

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Einordnung und ersetzt keine Prüfung oder Beratung im konkreten Einzelfall.

Dieser Beitrag wurde redaktionell geprüft und verantwortet von VA:TER.

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