VA:TER- Eltern erheben das Wort stellt Presseanfragen an DGUV,DGB Und BAuA
Wie weit darf zusätzliche Erwerbsarbeit bei Unterhaltspflicht gehen?
VA:TER – Eltern erheben das Wort stellt Presseanfragen an DGUV, DGB und BAuA
Wie viel zusätzliche Arbeit kann von einem barunterhaltspflichtigen Elternteil verlangt werden, der bereits einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht?
Mit dieser Frage beschäftigen wir uns aktuell bei VA:TER – Eltern erheben das Wort.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, die Unterhaltspflicht gegenüber Kindern infrage zu stellen. Kinder haben Anspruch auf Unterhalt und Eltern tragen Verantwortung.
Unsere Recherche setzt an einem anderen Punkt an.
Wenn von einem unterhaltspflichtigen Elternteil erwartet wird, seine Erwerbsmöglichkeiten möglichst weitgehend auszuschöpfen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wo die tatsächlichen Grenzen dieser zusätzlichen Erwerbstätigkeit liegen.
Ein Mensch kann schließlich nicht unbegrenzt arbeiten.
Arbeitszeit ist mehr als eine Zahl
Besonders relevant wird diese Frage bei Menschen, die bereits körperlich schwere, geistig stark beanspruchende oder sicherheitsrelevante Tätigkeiten ausüben.
Was bedeutet es beispielsweise, wenn jemand bereits acht Stunden körperlich gearbeitet, Maschinen bedient, ein Fahrzeug geführt oder eine Tätigkeit mit hoher Konzentration ausgeübt hat und anschließend noch einer weiteren Beschäftigung nachgehen soll?
Dabei geht es nicht ausschließlich um die Anzahl der geleisteten Stunden.
Schlaf, Erholung, körperliche Belastung, psychische Beanspruchung, Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsvermögen spielen ebenfalls eine Rolle.
Und irgendwann betrifft Überlastung nicht mehr ausschließlich den Beschäftigten selbst.
Wer übermüdet ein Fahrzeug führt, Maschinen bedient oder andere sicherheitsrelevante Aufgaben übernimmt, kann möglicherweise auch Kollegen oder andere Menschen gefährden.
Drei Institutionen wurden von uns angeschrieben
Um diese Fragen nicht einfach selbst zu beantworten oder vorgefertigte Schlussfolgerungen zu veröffentlichen, haben wir uns mit ausführlichen Presseanfragen an drei Institutionen gewandt.
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, DGUV, haben wir insbesondere um eine fachliche Einordnung aus Sicht von Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin und Prävention gebeten.
Den Deutschen Gewerkschaftsbund, DGB, haben wir zu Arbeitnehmerrechten, gesundheitlichen Belastungsgrenzen, Arbeitszeiten, Nebentätigkeiten und dem langfristigen Erhalt der Erwerbsfähigkeit befragt.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, BAuA, haben wir um eine wissenschaftliche Einordnung gebeten. Dabei interessieren uns insbesondere Erkenntnisse zu langen Arbeitszeiten, Mehrfachbeschäftigung, Ermüdung, Regeneration, Leistungsfähigkeit, Fehlhandlungen und Unfallrisiken.
Eine Frage steht für uns besonders im Mittelpunkt
Unsere Recherche lässt sich auf eine zentrale Frage herunterbrechen:
Ist die theoretische Möglichkeit, noch weitere Stunden zu arbeiten, tatsächlich dasselbe wie die Fähigkeit, diese zusätzlichen Stunden dauerhaft gesund, leistungsfähig und sicher zu erbringen?
Genau hier möchten wir genauer hinschauen.
Denn eine kurzfristige Steigerung des Einkommens hilft langfristig niemandem, wenn eine dauerhafte Überlastung letztlich Gesundheit oder Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt.
Genauso muss berücksichtigt werden, dass Arbeitsschutz nicht nur dem einzelnen Arbeitnehmer dient. Je nach Tätigkeit schützt er auch Kollegen und andere Menschen.
Wir warten auf die Stellungnahmen
DGUV, DGB und BAuA haben von uns umfangreiche Fragen erhalten und wurden um eine schriftliche Stellungnahme gebeten.
Sobald uns Antworten vorliegen, werden wir diese auswerten und über die Ergebnisse unserer Recherche berichten.
Dabei gilt für uns ein wichtiger Grundsatz:
Wir wollen nicht vorgeben, welche Antwort am Ende herauskommen muss. Wir wollen nachvollziehbare Antworten auf Fragen, die für barunterhaltspflichtige Arbeitnehmer eine erhebliche Bedeutung haben können.
Auch die angeschriebenen Institutionen sollen die Möglichkeit erhalten, unsere Fragestellungen fachlich einzuordnen, Annahmen zu korrigieren und auf wissenschaftliche Erkenntnisse hinzuweisen.
VA:TER – Eltern erheben das Wort
Für Eltern. Für Kinder. Für Gerechtigkeit.